Bild-Logik

Bild-Logik | Wettbewerb Kunst am Bau | Neubau Institut für Mathematik, TU Berlin | Berlin | entwickelt mit SEPIA Professionals | 2022

Die Untersuchung selbstgeschaffener abstrakter Strukturen auf ihre Eigenschaften und Muster hin ist Aufgabe derMathematik. Während sie es mittels Logik versucht, so versucht unser Bildprogramm dies mittels Farbe und Form.

Der Entwurf einer Wandmalerei im Neubau der TU Berlin (MATH) für den Standort A02 entfaltet sich folgerichtig vor den Augen der Mathematik. Inhärente Prinzipien wie Wiederholung, Struktur, Spiegelung und Symmetrie schlagen seit jeher die Brücke zwischen Ästhetik und Mathematik. Auch unser Bildprogramm für die künstlerische Gestaltung des gewählten Standortes entwickelt sich aus diesen Prinzipien heraus. 

Grundlegend für den Entwurf ist die Idee eines sich abspulenden Ornamentbandes über alle Etagen des Atriums hinweg. Sichtbar wird ein Ausschnitt aus etwas Größerem. In diesem Sinne rattert das System aus Formen und Farbe gemäß seiner Regel über die gedachte Bildfläche. An den Rändern verzahnt sich das Bild mit der Wirklichkeit. Das Systemische des ornamentalen Bildes bleibt abstrakt und bietet dem Konkreten gleichwohl eine Bühne. Ähnlich verstehen wir die Mathematik: sie findet immer auch eine Funktion, d.h. eine konkrete Form in den Wissenschaften und im Alltag.

Die stark gerasterte Bauweise des Gebäudes wird auf eine spielerische Art im Bild aufgenommen, wirkt in den Luftraum hinein und lockert dezent die Strenge des architektonischen Baukörpers. 

An der Wand erscheint ein komplexes Geflecht aus Wänden perspektivischer Gebilde und davon losgelöster Flächen. Das Spiel zwischen Raum und Fläche ist eröffnet. Fein gerasterte Flächen stehen im Kontrast zu monochromen Formen. Während die Rasterflächen auf der Untersuchung kalendarischer Systeme beruhen und differenzierte Muster zeigen, versuchen die monochromen Flächen eine perspektivische Ordnung zu manifestieren. Vermeintliche Quader entstehen, die sich wiederum in den Bildraum entfalten. Mal überwiegt die räumliche Ordnung und Körper zeigen sich, mal bleiben feine Formen durch Überschneidungen übrig. 

Über die große Wandfläche am Standort A02 wird das Bild mehrfach rapportiert, wobei die Farben nach einem der Farbpalette innewohnenden Prinzip verändert werden. Auf der 23,5m langen Wandfläche kommt es so zu keiner Wiederholung von Ausschnitten. Der Rapport basiert auf Diagonalen, inspiriert vom Schattenwurf auf der Betonwand. Die sich verändernde Lichtsituation durch das Oberlichtband im Zusammenspiel mit den sich nach unten hin verändernden gemalten Farben, verspricht einen besonderen Reiz und schafft eine visuelle Verbundenheit über mehrere Etagen hinweg, einer schmückenden Klammer gleich. Die Veränderung von Perspektive und Standort wird durch die nuancierte Veränderung in den Farben erlebbar. 

Der Rapport bzw. das Bildband schließt mit der Unter- und Oberkante der Betonwand ab – könnte aber auch unendlich darüber hinaus geführt werden. Die beinah reliefhaft wirkenden Farbflächen verbinden sich mit dem Sichtbeton und lassen ihn zu einem Teil des Bildes werden. Das Wandbild soll eine harmonische Relation zum Farbkonzept der Architektur eingehen und ist in Eigenausführung geplant.

 

– SEPIA Professionals

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