Mitwisser und Begleiter

Mitwisser und Begleiter | Hinterglasmalerei und Bildgeschichten | 1. Platz | Wettbewerb Kunst am Bau | Modulare Kita-Bauten für Berlin (MOKIB) | Berlin | Anna Gawronski mit SEPIA Professionals | Umsetzung 2024

Ein Büffel, der im fünften Stock eines Berliner Altbaus wohnt, eine Kröte, die am Gesundbrunnen turnt, ein Fuchs, der aus einem Wagen springt: Als „Mitwisser und Begleiter“ begrüßen die Tiere die Nutzerinnen und Nutzer im Treppenhaus der Kita. Sie erscheinen zunächst emblematisch auf Bildtafeln, werden darüber hinaus jedoch zu Figuren eigener Erzählungen — zu Bildgeschichten.

Als Protagonisten von Mythen, Märchen und Fabeln erinnern Tiere an eine zauberhafte, vieldeutige Welt jenseits der Eindeutigkeit des urbanen Alltags. Alle Tiere erscheinen in doppelter, meist symmetrischer Anordnung. Die Bilder beziehen sich damit auf das Zusammentreffen zweier Sphären: Kultur begegnet Natur. In ihrer heraldischen Prägnanz ermöglichen die Darstellungen Identifikation und Wiedererkennung.

Während Symmetrie in der Natur als grundlegendes Prinzip erscheint, gehört sie zugleich zu den ältesten kulturellen Ordnungsformen. In ihrer formalen Einfachheit besitzen die Schilder eine archaische Anmutung und können als doppelte Stärkung und Begleitung der Kinder verstanden werden. Tierbilder finden folgerichtig ihren Platz in der Großstadt — einem Raum, der allzu schnell suggeriert, der Mensch sei ihr einziger Bewohner.

Mit dieser Idee knüpfen wir an das Entwurfskonzept des Architekturbüros an und greifen das Motiv der Tiersymbole auf. Dass sich die Auswahl weder auf Wild- noch auf Haustiere beschränkt, ist programmatisch zu verstehen: Wildnis hat heute andere Erscheinungsformen angenommen, und die Stadt selbst wird zunehmend zum Lebensraum wild lebender Tiere.

Wir verzichten bewusst auf eine allzu verniedlichende Darstellung. Angelehnt an die Offenheit von Märchen eröffnen die Bilder imaginäre Räume, in denen Kinder ohnehin zuhause sind — die Fantasie als Ort zauberhafter Begegnungen, ungewöhnlicher Ereignisse und vielfältiger Deutungen. Unsere Tierdarstellungen bewahren ihren Eigensinn und zeigen die Tiere in Szenen, die zur Interpretation einladen.

Die Idee der Bildgeschichten wird durch erzählte Geschichten ergänzt. Ein farbcodiertes Kartenset korrespondiert mit den Bildmotiven an den Wänden. Das Suchen, Deuten und Wiederfinden von Farben und Tierfiguren sowie die damit verbundenen Kurzerzählungen machen die Kunst am Bau gemeinschaftlich erfahrbar. Zugleich kann dies als Einladung verstanden werden, eigene Bilder zu den Geschichten zu entwickeln und sie mit den Wandbildern in Beziehung zu setzen.

 

– Anna Gawronski mit SEPIA Professionals

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